Obwohl der Schienenverkehr nicht früher als andere Verkehrsformen entstand, hat er sehr schnell eine dominierende Rolle sowohl im Transportwesen als auch in der Entwicklung des südostasiatischen Landes (insbesondere im Nah- und Regionalverkehr sowie Containertransport) eingenommen. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg verfügte das vietnamesische Eisenbahnnetz über eine Streckenlänge von 2600 km. Es gab jedoch nur zwei große Linien: die Trans-Vietnam und die Strecke von Hai Phong City in die Lao Cai Provinz.
Im Zuge der Globalisierung spielt der Schienenverkehr eine bedeutende Rolle, denn er verbindet die unwegsamen Gegenden des Landes und bietet das beste Transportmittel zur Materialversorgung der Industrie mit Massengütern und Schwerlasten. Vietnam besitzt flächenmäßig mehr Eisenbahnstrecken als andere asiatische Länder, nämlich 0,95 km Eisenbahnschienen auf 100 km² bzw. 1km Schiene pro 25.000 Einwohner. Allerdings entspricht auch deren Zustand nicht den westlichen Erwartungen. Nicht nur die Eisenbahnstrecken, sondern auch Tunnels wurden durch die Bombardierungen in den letzten Kriegen zerstört, so dass nur 3 Tunnels von früher 13 übrig blieben. Derzeit existieren in Vietnam jedoch 39 Tunnels und über 281 Stationen.
Nach wie vor fehlt es im Mekong-Delta, im westlichen Hochland und an der südöstlichen Küste an Eisenbahnverbindungen. Auch fehlende Regionalverbindungen im Umland der Großstädte Hanoi und HCMC führen zu starken Belastungen des Straßenverkehrs. Auf der 2.632 km langen Hauptstrecke gibt es laut Angaben der Vietnam Railways (VR) 1.200 offizielle und 4.233 inoffizielle Bahnübergänge, von denen leider nur 358 überwacht werden.
Dies sind Faktoren, die dazu führen, dass viele Unfälle entstehen und die Reisegeschwindigkeit oft gedrosselt werden muss. Auch enge Radien (teilweise unter 100 m), steile Gefälle, veraltete Brücken und Holzkonstruktionen, zweigeteilte Betonschwellen und desolate Signalsysteme (zum größten Teil per Hand bedient) sind weitere Indizien dafür. Der Lokomotivbestand beläuft sich auf 377 Züge verschiedener Art aus neun Ländern, von denen 200 leistungsgeringe TU-Dieselloks russischer Bauart sind. Einige von ihnen sind seit 30 bis 40 Jahren im Betrieb. Es sind 120 Loks von guter Qualität und auf modernen Stand, sie machen rund 37 % des einsatzbreiten Fuhrparks aus. Die vietnamesische Eisenbahn besitzt über 919 Waggons mit 49.000 Sitzund Liegeplätzen, von denen fast über die Hälfte bereits seit über 20 Jahren im Betrieb ist.
Des Weiteren verfügt sie über eine Vielzahl verschiedenster Güterwagen. Davon wurde eine kleine Zahl im Land hergestellt und der Rest wurde aus mehreren Ländern importiert (gebrauchte Waggons aus China, Belgien, Japan, Amerika u. a. aus Rumänien und Indien). Es gibt noch sehr wenige internationale Anbindungen, außer zwei Streckenverbindungen im Norden nach China (Lao Cai Provinz - Kunming Provinz) und Transasia von Singapur über Vietnam nach China).
Nach Angaben der vietnamesischen Regierung will Kambodscha 550 Mio. US-Dollar für die Strecke von Phnom Penh nach Loc Ninh (Binh Phuoc Provinz) ausgeben. Dieses Projekt soll im Jahre 2008 noch beginnen. Um die Ziele des Masterplans erreichen zu können, soll laut dem vietnamesischen Premierminister, Nguyen Tan Dung, die Strecke HCMC und Loc Ninh errichtet werden, um die Verbindungen zu den ASEAN-Ländern herzustellen. Im Jahre 2000 wurde die erste Restrukturierung der vietnamesischen Einsenbahn mit Unstützung diverser Organisationen u. a. von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die im Auftrag der Europäischen Kommission arbeitet, vorgenommen. Es wurden einige Bereiche des Unternehmens wie folgt neu strukturiert:
- Veränderung der Einstellungen und des Verhaltens der Beamten und des Personal in der Vietnam Railways (VR), Geschäftsstrategien, Reformvorschläge sowie Neugestaltung der Gesetzestexte.
- Fortbildung des Top-Managements der VR durch Studienreisen, Präsentationen von Experten, Seminare und Kurse (Hauptthemen waren: Bahnreform, Know-How des marktorientierten Eisenbahnverkehrs und Marketingkurse).
Nach Berichten des GTZ ist die Arbeitsweise der heutigen Vietnam Railways Corporation (VRC) marktorientierter geworden. Die Nutzung des Containerverkehrs konnte im Vergleich zu vorher enorm gesteigert werden. Auch im Passagierverkehr wird kundenorientierter gearbeitet, und der private Sektor, der jahrelang vernachlässigt wurde, ebenfalls mehr einbezogen. Durch das neue Bahngesetz, das 2005 von der Nationalversammlung verabschiedet wurde, sollen die im Masterplan gesteckten Ziele bis 2010 sowie 2020 erreicht werden. Es sind u. a. Investitionen in die Infrastruktur im Wert von 8 Mrd. US-Dollar vorgesehen.
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