Das Phänomen Tourismus stellt für Vietnam eine wichtige Einnahmequelle und einen wesentlichen Faktor bei der Schaffung von Arbeitsplätzen dar. Im Verlauf der letzten 22 Jahren ist die Bedeutung der vietnamesischen Tourismuswirtschaft auf der makroökonomischen Ebene stetig gestiegen. Der Anteil des Tourismus in Vietnam am Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sich von 2,9 % im Jahr 1993 auf 3,7 % im Jahre 2006 erhöht. Bis 2010 will Vietnam im Tourismussektor einen BIP-Anteil von 6 bis 6,5 % anstreben, was einen Umsatz von 4,5 bis 5 Mrd. US-Dollar ausmacht.Die Einnahmen durch den Tourismus in Vietnam sind seit 1990 um 100 Mio. US-Dollar gestiegen. 2006 wurden Einnahmen der vietnamesischen Tourismusbranche im Wert von rund 2 Mrd. US-Dollar gezählt, was einer Steigerung um mehr als das 20-fache entspricht. Die Tourismusbranche in Vietnam hat eine große Bedeutung für den vietnamesischen Arbeitsmarkt. Im Tourismussektor waren 1992 etwa 70.000 Personen beschäftigt. Davon waren 21.000 in staatlichen Unternehmen, 21.000 in Joint Ventures und der Rest in privaten Unternehmen tätig.

Diese Zahl belief sich im Jahre 1995 auf rund 150.000 Personen. Davon waren 11.000 in der Verwaltung, 30.000 als Fachkräfte und 2.000 Hochschulabsolventen. Im Jahre 2006 arbeiteten bereits rund 250.000 Personen direkt und zusätzlich 500.000 indirekt für den Tourismus des südostasiatischen Landes. Bis 2010 sollen laut dem Institute For Tourism Development Research (ITDR) rund 1,4 Mio. Arbeitskräfte die angestrebten 6 Mio. ausländische Besucher nach Vietnam betreuen.
Das Reiseziel Vietnam wird nach einer Prognose des World Travel and Tourism Council (WTTC) bis 2016 zu den Top Ten der Haupttouristendestinationen weltweit gehören. Die Bedeutung der Tourismusindustrie in Vietnam lässt sich am besten anhand des ausländischen Besucheraufkommens beziehungsweise seiner Veränderung und der Herkunft der ausländischen Besucher aufzeigen.
Gästestruktur in Vietnam
Die Tourismusverantwortlichen Vietnams können angesichts der derzeitigen Entwicklung der Gästestruktur hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Für 2007 waren 4,5 Mio. ausländische Touristenankünfte prognostiziert. Tatsächlich das Land betreten haben 4.171.564 ausländische Besucher.
Die erreichte Zahl der Touristen nach Vietnam hat gezeigt, dass in dem Land das Potenzial steckt, um in absehbarer Zukunft einem entwickelten Tourismusland wie Thailand Parole bieten zu können. Aber auch der vietnamesische Inlandstourismus ist in den letzen Jahren sehr stark angestiegen. In der folgenden Tabelle sind die Gästeankünfte nach Vietnam von 1986 bis 2010 aufgelistet.
Touristenankünfte in Vietnam: 1986 - 2010
| Ankünfte | Jahr | Anzahl der Touristen |
|---|---|---|
| Tatsächlich | 1986 | 54.000 |
| 1987 | 73.000 | |
| 1988 | 110.000 | |
| ... | ... | |
| 1994 | 1.018.062 | |
| 1995 | 1.351.300 | |
| 1996 | 1.715.600 | |
| ... | ... | |
| 2000 | 2.140.100 | |
| 2001 | 2.330.800 | |
| 2002 | 2.628.200 | |
| ... | ... | |
| 2006 | 3.583.486 | |
| 2007 | 4.171.564 | |
| 2008 | 4.253.740 | |
| 2009 | 3.772.359 | |
| 2010 | 5.049.855 |

Durch den Besuch des US-Präsidenten Bill Clinton im November 2000 wurde die schon 1995 eingeleitete Normalisierung der Beziehungen beider Länder nochmals unterstrichen. In seiner Rede vor den Studenten der Universität von Hanoi hat der amerikanische Präsident Clinton die junge Generation Vietnams aufgerufen, sich auf ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen beiden Nationen zu konzentrieren. Seine Rede und andere Auftritte während seines dreitägigen Besuches wurden im vietnamesischen Fernsehen übertragen. Selbst in den USA wurden immer wieder Berichte über Vietnam wegen des Besuches des US-Präsidenten im Fernsehen ausgestrahlt.
Dies führte zu einer immensen Steigerung der amerikanischen Besucherzahlen aus den USA von 62.700 im Jahre 1999 auf 230.400 Personen im Jahre 2000. Diese Zahl hat sich nach nur sieben Jahren fast verdoppelt auf 412.301 Gäste. Bis zum Jahre 2010 soll laut dem Institute For Tourism Development Research (ITDR) Vietnams die Zahl der tatsächlich angekommenen Besucher aus den Vereinigten Staaten auf 600.000 ansteigen.
Bei der Aufteilung der ausländischen Gästeankünfte nach Herkunftsländern konnte Deutschland mit 95.470 Besuchern (2007) den 13. Platz belegen. Innerhalb der EU liegt die Bundesrepublik somit auf dem dritten Platz hinter dem Vorreiter Frankreich und Großbritannien. Für die Franzosen, die annähernd den gleich langen Anreiseweg nach Vietnam haben wie die Deutschen, sind die früheren Kolonien eine reizvolle Urlaubsdestination. Mit 182.501 Besuchern 2007 behaupten sich die Franzosen seit Jahren unangefochten die Nummer eins unter den Europäern in dem südostasiatischen Land.
Im Allgemeinen führen die Chinesen die Rangliste der südostasiatischen Toptourismusländer in Vietnam mit 558.719 Besuchern im Jahre 2007 an. Die Koreaner mit 475.535 Gästen (2007) belegten den zweiten Platz. Für die Chinesen ist Vietnam als Reiseziel seit Jahren eine Alternative zum Urlaub im eigenen Land. Vietnam ist für sie ein günstiges Land für Urlaub und Erholung. Doch seitdem die Lebensstandards der Chinesen angestiegen sind, bevorzugen immer mehr Chinesen, die es sich leisten können, Länder in Europa. Dies ließ in den letzten Jahren die Ankünfte aus China in Vietnam etwas schrumpfen.
Aufenthaltsdauer der ausländischen Touristen in Vietnam
Laut Informationen des vietnamesischen Instituts for Tourism Development and Research (ITDR) bleiben die Touristen durchschnittlich 7,7 Tage in Vietnam. Bei den Besuchern, die ihre Reisen selbst organisieren, sind es 18,2 Tage. Bis zum Jahr 2010 rechnen die Tourismus-Verantwortlichen mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von sechs Tagen.
Reiseausgaben der ausländischen Besucher in Vietnam
In diesem Punkt unterscheiden sich die Angaben der zuständigen staatlichen Behörde von denen anderer Quellen, denn laut dem Jahresbericht des Tourismusministeriums (VNAT) geben die Touristen durchschnittlich pro fremdorganisierte Reise in Vietnam 672,70 US-Dollar aus, während bei den Besuchern, die ihre Reisen selbst organisieren, die Ausgaben durchschnittlich bei 1.341,30 US-Dollar liegen. Bei den Ausgaben wird weiterhin differenziert, aus welchem Land die Touristen stammen. Beispielsweise geben Touristen aus den USA, Kanada, der Bundesrepublik, Großbritannien und Neuseeland etc. im Schnitt mehr aus und bleiben auch länger (rund 20 Tage).
Hingegen geben die Touristen aus einigen ASEAN-Ländern weniger aus und ihre Verweildauer ist in der Regel kürzer. Am längsten bleiben jedoch die Besucher aus Kanada mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 35 Tagen. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Tourist/Tag belaufen sich laut dem Jahresbericht des vietnamesischen Tourismusministerium (VNAT) auf 87,40 US-Dollar (fremdorganisierte Reise) und 73,80 US-Dollar (selbstorganisierte Reise).
Andererseits zeigte eine Umfrage unter den ausländischen Touristen, die provinzenweit durchgeführt wurde, jedoch durchschnittliche Ausgaben von 92,10 US-Dollar pro Tag. Statistiken aus den ASEAN-Ländern zeigen wiederum eine geringere Aufenthaltszeit der ausländischen Touristen in Vietnam und durchschnittliche Ausgaben von nur 600 US-Dollar pro Vietnamreise (ohne Flug und Unterkunft). Somit liegt Vietnam nach Recherche und Aussage von Herrn Nöther der AHK Vietnam bei den durchschnittlichen Ausgaben der Reisenden weit hinter den etablierten Tourismusdestinationen Thailand (1.200-1.500 US-Dollar) und Singapur (1.500-2.000 US-Dollar).
Reiseabsichten der Touristen nach Vietnam
Es gibt nach wie vor unterschiedliche Gründe für einen Aufenthalt in Vietnam. Gemäß den Daten einer Studie, die 2006 von VISA International und Pacific Asia Travel Association (PATA) durchgeführt wurde, kommen 49 % der ausländischen Touristen nach Vietnam, weil sie das günstige Preisniveau der dort angebotenen Dienstleistungen schätzen. 44 % sagten aus, dass die Sehenswürdigkeiten des südostasiatischen Landes sie faszinieren. Auch die vietnamesische Kultur (41 %), Abenteuer und Ursprünglichkeit (38 %) sowie die Freundlichkeit des vietnamesischen Volkes (35 %) waren Gründe, das Land zu bereisen. Den Tourismus in Vietnam ausgenommen, ist eines der Hauptreisemotive geschäftlicher Art. 2007 waren rund 15 % der Besucher Geschäftsleute in Vietnam. Allerdings kommen nicht nur Geschäftsleute nach Vietnam, sondern auch immer mehr Pauschaltouristen in das südostasiatische Land. Aus den Daten der oben erwähnten Studie lies sich leider kein spezieller Trend hinsichtlich der Reisemotive der ausländischen Touristen nach Vietnam erkennen.
Aus den statistischen Erhebungen für Reiseabsichten der Vietnambesucher durchgeführt vom Institut für Tourismus-Entwicklung und -Forschung (ITDR) wird ersichtlich, dass der Hauptteil, mit 62 % der Besucher 2007 mit der Absicht Vietnam als Tourist besuchen, das Land betraten, dahinter folgten mit 15 % die ausländischen Besucher aus geschäftlichem Anlass sowie mit 14 % aus VFR und der Rest, mit 9 % aus sonstigen Gründen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass noch mehr als bis jetzt in die Infrastruktur investiert werden muss, damit der Tourismus in Vietnam für die ausländischen Besucher noch beliebter wird. Außerdem müssen andere Faktoren wie Defizite im Ausbildungsstand, fehlende Fremdsprachenkenntnisse sowie eine unzureichende Vermarktung im Ausland etc. ausgeglichen werden.
Vietnam Tourismus kurz zusammengefasst
Die Entwicklung der Tourismusindustrie des Landes ist eines der wichtigsten Ziele der vietnamesischen Regierung. Aus diesem Grund wurden seit der Marktliberalisierung in 1986 alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Tourismus Vietnams im Ausland attraktiv darzustellen.
Der vietnamesische Staat setzt sich stark dafür ein, ausländische Investoren durch schnellere Genehmigungsverfahren und steuerliche Vorteile zu beeindrucken. Außerdem versucht das südostasiatische Land ausländische Reiseveranstalter für sein Land zu gewinnen, indem es auf fast allen wichtigen Tourismusmessen seine Präsenz zeigt. Auch innerhalb des Landes wurden Maßnahmen ergriffen, z. B. Verbesserung der Infrastruktur sowie Schulung von Personal, um die Destination Vietnam auf internationalen Standard zu bringen. Die Regierung strebt an, den Massentourismus von Vietnam fernzuhalten und dafür verstärkt auf den Ökotourismus zu setzen.
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