Hanoi (gtai) - Vietnams Fischwirtschaft hat sich mit Shrimps- und Pangasius-Exporten international einen Namen gemacht. Allerdings sind viele Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung von Fisch- und Meeresfrüchten noch ungenutzt. Gänzlich in den Kinderschuhen steckt die Verwertung der anfallenden Abfälle sowie die Reinigung der Abwässer. Hier werden künftig mehr Investitionen erforderlich sein. Deutsche Anlagen konkurrieren mit den immer besser werdenden chinesischen Wettbewerbern.
Vietnam bietet mit seiner 3.260 km langen Küste und fast 3.000 Inseln sowie knapp 10 Mio. Hektar (ha) Marschland vor allem im Mekong-Delta hervorragende Voraussetzungen für Aquakulturen. Tatsächlich hat sich das Land weltweit in den letzten Jahren auf den sechsten Platz unter den größten Exporteuren für Aquakulturprodukte und an die zwölfte Stelle für andere Meereserzeugnisse vorgeschoben. International sind die lokalen Anbieter speziell bei Riesengarnelen (Tiger Shrimps) und Pangasius-Fischfilet (Tra-Fisch, Basa-Fisch) wettbewerbsfähig.
Nach einer Meldung der "Vietnam News" gibt es in Vietnam 229 Fisch verarbeitende Betriebe, die den technischen Anforderungen der EU entsprechen und direkt in die EU exportieren können, sowie weitere 350 Betriebe, die den nationalen Bestimmungen für Lebensmittelsicherheit genügen.
2008 setzte die Branche umgerechnet 4,5 Mrd. US$ im Ausland um, 2009 wegen des allgemeinen Konjunkturrückgangs 4,2 Mrd. $. Dafür ist das Jahr 2010 gut angelaufen mit einem Anstieg der Exporte von Fisch und Meeresfrüchten in den ersten sechs Monaten um 13,1% auf insgesamt 1,7 Mrd. $, so das Ministry of Agricultural and Rural Development (MARD). Hauptabsatzmarkt sind die EU-Länder (1. Halbjahr 2010: Lieferanteil 25,5% beziehungsweise rund 420 Mio. $; rund 40% der Tra- und Basa-Exporte), die USA und Russland. Shrimps gehen insbesondere nach Japan. Insgesamt soll die Fischproduktion von derzeit rund 5 Mio. auf 6,5 Mio. t steigen, so die vom MARD vorgelegte "Entwicklungsstrategie für den Fischereisektor bis 2020".
Für das Gesamtjahr 2010 wird mit 4,5 Mrd. bis 5 Mrd. $ Auslandsumsatz gerechnet. Dabei profitiert das Land von weltweit steigenden Garnelenpreisen. Knapp ein Drittel der Umsätze entfallen auf Pangasius (Tra-Fisch, Basa-Fisch). Neben den bekannten Märkten wollen die Anbieter neue Kundenkreise erschließen. Große Hoffnungen ruhen auf Russland. Bislang entwickelten sich diese Märkte allerdings nicht so dynamisch, wie erwartet worden war. Auch gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Mikroorganismen und Antibiotika-Rückständen, zudem bemängelten die Kontrolleure zu geringe Nettogewichte. Dies hatte bereits 2008 zu einem temporären Stopp für Fischlieferungen nach Russland geführt.
Tatsächlich sehen kritische Firmenvertreter genau in der vorherrschenden "Masse-Strategie" die Crux. Statt mehr Qualität zu liefern, rechnet das Gros der Branche immer nur in Tonnen. Auch ließe sich mit weiterverarbeiteten Produkten eine höhere Wertschöpfung erwirtschaften. Geschäftsmöglichkeiten gibt es zahlreiche, nach und nach werden sie auch entdeckt. Hierfür bedarf es entsprechender Ausrüstungen.
Seit 2007 betreibt beispielsweise die Vietnam Sturgeon Company mit russischer Technologie die Aufzucht von russischem Stör. Die Firma kann die Nachfrage von kaufkräftigen lokalen Konsumenten nach dem edlen Fisch und seinen teuren Eiern gegenwärtig nicht decken. Das Problem ist, dass es zu wenige Gewässer gibt, in denen der Kälte liebende Stör gedeiht. Trotzdem ist an einen Export gedacht. Ebenfalls denkbar wäre der Aufbau von Fischräuchereien mit dem entsprechenden Bedarf an Räucheröfen und Verpackungsmaschinen.
Grundsätzlich vernachlässigt wurde bisher der Aufbau von renommierten Marken. Das Gleiche gilt für international anerkannte Zertifizierungen. Beides würde die Verkaufschancen der Fischprodukte erheblich erhöhen. Allerdings bedarf es für die Siegel erheblicher Verbesserungen in Sachen nachhaltiger Ressourcenbewirtschaftung und Nachverfolgbarkeit der Ware. Letztere fällt vielen Händlern schwer, die ihren Fisch von einer Vielzahl kleiner Farmen oder Fischern beziehen. Auch in Sachen Umwelt liegt Vieles im Argen. Aufgrund des Booms der letzten Jahre ist eine Vielzahl von Aquakulturfarmen entstanden, ohne dass in Wasseraufbereitungs- oder Abwasserreinigung investiert worden wäre. Immer wieder weisen Stichproben unerlaubte Antibiotika oder andere chemische Rückstände auf.
Unter der sich allgemein verschlechternden Wasserqualität leiden auch die wilden Fischbestände, denen überdies Überfischung zu schaffen macht. Auch wird nach wie vor trotz offiziellen Verbots Sprengstoff eingesetzt. Die Folgen bekommen auch traditionelle Produkte zu spüren, wie beispielsweise die über die Landesgrenzen bekannte Fischsoße von Phu Quoc. Deren Produktion war in den letzten Jahren erheblich nach oben gefahren worden, 2009 brach sie um die Hälfte ein - es gab nicht mehr genug Sardinen.
Grundsätzlich werden Umweltaspekte und speziell die Abwasserbehandlung künftig eine deutlich größere Rolle spielen müssen. Davon sind Branchenvertreter überzeugt. Angesichts der sich teilweise dramatisch verschlechternden Wasserqualität hätten die Behörden keine Wahl, als früher oder später die bislang eher locker überwachte Einhaltung der Vorschriften durchzusetzen.
Doch auch die Branche selbst müsste daran ein Interesse haben. Beispielsweise können viele Shrimpsverarbeiter ihre Kapazitäten nicht auslasten, so die Vietnam Association of Seafood Exporters and Processors (VASEP). Zum einen sind die Aufzuchtflächen zurückgegangen (zwischen 2009 und 2010 von 660.000 auf 548.000 ha), zum anderen fehlt es an qualitativ einwandfreier, das heißt unbelasteter Ware. Dessen ungeachtet werden die Verarbeitungskapazitäten weiter ausgebaut. In Hau Giang wurde 2009 der Grundstein für die mit einer Jahreskapazität von 20.000 t größte Shrimpsverarbeitung des Landes gelegt; 10.000 Beschäftigte sollen in der Minh Phu Factory eine Anstellung finden.
Grundsätzlich profitiert Vietnam bei dieser arbeitsintensiven Produktion von seinen niedrigen Lohnkosten. Insgesamt erfolgt die Verarbeitung von Fisch bislang überwiegend manuell. Eine Weiterverarbeitung und Verwertung der Reste findet nur in Ansätzen statt. Angesichts der riesigen anfallenden Mengen dürfte sich dies in Zukunft ändern. Benötigt werden Maschinen und Anlagen zur Trennung und Weiterverwertung der Abfälle beispielsweise zu Fischfett oder -mehl zur Tierfutterverarbeitung.
In der Regel decken sich die meisten lokalen Firmen zunächst mit sehr preiswerten chinesischen Maschinen ein. Diese genügen ihren Anforderungen und sind für sie finanzierbar. Wenn diese Maschinen nach rund fünf Jahren kaputt sind, werden oft japanische oder europäische (keine deutschen) Produkte gekauft, da die Ansprüche gewachsen sind - aber auch die Finanzierungsmöglichkeiten. Erst in der "dritten Runde" kommen deutsche Anbieter zum Zuge. Zwar genießen deutsche Maschinen einen ausgezeichneten Ruf, allerdings sind sie vielen Kunden oft zu teuer. Nur Produzenten, die schon lange in der Branche tätig sind, wissen den Wert und die Langlebigkeit deutscher Produkte zu schätzen und haben die notwendige Finanzkraft.
Als gute Alternative gelten indessen solide Gebrauchtmaschinen. Darüber hinaus stehen gerade private Unternehmen Einsparargumenten offen gegenüber. Vielen Käufern würde auch ein gewisses Entgegenkommen bei der Finanzierung helfen - etwa statt 100% Vorauskasse eine Stückelung 70 zu 30. Um solchen Markterfordernissen gerecht werden zu können, bedarf es einer Präsenz vor Ort.
Vietnam Association of Seafood Export and Production (VASEP)
218 Lo A, Du an An Phu, An Khanh Street No. 6
An Phu, District 2, Ho Chi Minh City
Tel.: 0084 8/62 81 04-30, Fax: -38
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Internet: www.vasep.com.vn
(G.S.)
Quelle: (Gtai.de, Vietnam)
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