Vietnams Aktienmarkt ist sehr robust ins neue Jahr gestartet. Der VN-Index zog am Donnerstag bis auf 534 Punkte an, und verbesserte sich damit seit Jahresbeginn um fast 8 Prozent. Damit hat er die übrigen asiatischen Indizes deutlich hinter sich gelassen. Am Freitag folgte allerdings bereits wieder ein Rückschlag um 2,3 Prozent auf 521 Punkte. Die positive Entwicklung an der Börse Vietnam zog wieder viel Aufmerksamkeit auf sich. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass Vietnams Leitindex in den letzten Monaten ein klarer Underperformer war. Im vierten Quartal 2009 gab er unterm Strich 1,9 Prozent ab, und war damit Asiens schwächster Index.
Die Erholung in den vergangenen Tagen hatte mehrere Gründe. Zum einen hat die Regierung einige Regularien für den Aktienhandel gelockert. Daneben wurde willkürlich der Goldhandel bis Ende März ausgesetzt. Die vietnamesischen Privatanleger hatten zuletzt massiv Gold gehortet, weil sie einen weiteren Wertverfall ihrer heimischen Währung – des Dong – befürchteten. Die Behörden glauben, dass ein Teil der Liquidität, die sonst für Goldkäufe aufgewandt worden wäre, jetzt in den heimischen Aktienmarkt fließen wird.
Daneben wurden auch die vorläufigen Daten für das Wachstum im Jahr 2009 veröffentlicht – und diese haben sehr gut ausgesehen. Vietnams Bruttoinlandsprodukt ist letztes Jahr um weitere 5,32 Prozent gestiegen. Das Wachstum hat sich damit gegenüber dem Vorjahreswert von 6,18 Prozent trotz Finanzkrise nur unwesentlich verringert. Zudem nahm es in der zweiten Jahreshälfte nochmals deutlich an Fahrt auf, und hat sich im vierten Quartal auf 6,9 Prozent beschleunigt.
Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Die Erholung wurde nämlich mit einem deutlichen Wachstum der Geldmenge erkauft. Bei der Bankenkreditvergabe ergab sich 2009 ein Anstieg um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als die landesweite Kreditvergabe ebenfalls bereits um 25 Prozent gestiegen war. Die Gelder flossen insbesondere in den Bausektor, und haben dadurch die Binnenwirtschaft gestützt.
Die enormen Mengen frischen Geldes müssen von der vietnamesischen Volkswirtschaft aber erst einmal verdaut werden, und schlagen sich einstweilen in einer deutlich höheren Inflationsrate nieder. Die Verbraucherpreise zogen im Dezember gegenüber dem Vorjahr bereits um 6,5 Prozent an. Da half es auch nicht viel, dass die Notenbank den Leitzins inzwischen schon auf satte 8 Prozent angehoben hat.
Obwohl der vietnamesische Leitzins damit erheblich über dem internationalen Niveau liegt, wird er die inflationären Tendenzen vorerst wohl nicht abbremsen können, ohne gleichzeitig die Konjunktur abzuwürgen. Daneben haben sich auch die internationalen Rohstoffpreise inzwischen wieder deutlich verteuert, was die Inflation zusätzlich anheizen könnte. Wenig hilfreich ist dabei, dass der Dong gegenüber dem Dollar auf Jahressicht gefallen ist, und die meisten Rohstoffimporte in Dollar beglichen werden müssen.
Vorerst wird die Inflation also weiter anziehen. Der IWF rechnet für Vietnam in 2010 mit einer Preissteigerungsrate von 10 Prozent. Manche private Bankhäuser halten sogar noch einen stärkeren Anstieg für möglich. Sollte die Notenbank nicht rechtzeitig gegensteuern, dürfte der Dong gegenüber dem Dollar weiter fallen, und damit die inflationären Tendenzen im Inland noch zusätzlich anfeuern.
Unterm Strich kann man festhalten: Vietnam gehört gemeinsam mit China und Indien zu den wenigen Ländern, die die Finanzkrise ohne Schrammen überstanden haben. In einem viel höheren Maße als in Indien und China wird jetzt aber die Inflation zu einem Problem. Die kommenden Momate dürften an der vietnamesischen Börse dementsprechend turbulent bleiben.
Mittelfristig ist Vietnam für den Anleger weiterhin eines der interessantesten Schwellenländer. Die Privatisierungswelle setzt sich unbeeinträchtigt fort; Modernisierung und Urbanisierung sind nicht mehr aufzuhalten; der Wohlstand breiter Schichten wächst stetig an. Zudem wird das Land auf dem Radar der internationalen Investoren bleiben, die in den kommenden Jahren viele weitere Milliarden Dollar in die dortige Wirtschaft pumpen dürften.
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quelle: emfis







